Das Wetter macht einen auf Herbst, also wieso sollte ich nicht stricken?
Allerdings finde ich Stricken ohne Fernsehen mindestens so langweilig, wie Fernsehen ohne Stricken.
Da ich sehr dünne Wolle verwende, noch dazu ein versetztes Zopfmuster rein friemele, kann sich der geneigte Leser nun aussuchen was ich mehr tue: Fernsehen oder Stricken…
Praktischerweise kann ich das neuerdings alles noch mit Mallorca verbinden, ist das nicht schön?
Die ARD hat ja schließlich einen Teil der „Verbotenen Liebe“ nach Santanyí ausgelagert, was ich herrlich finde! Also Stricknadeln her, Glotze an, und schon sehe ich (über die Handlung lasse ich mich hier nicht aus, nein) bekannte Straßen, Geschäfte und Cafés. Herrlich! Und als Sahnehäubchen obendrauf noch meine ehemalige Hausbucht, die Cala Llombards.
Danke ARD.
Danke „Verbotene Liebe“!!!
Da aber eine Soap für diesen Hammer-Pulli einfach nicht reicht, ziehe ich mir gleich anschließend bei RTL mal bei den Nachrichten rein…
… Und was läge da näher, als „Alles was zählt“ im Anschluss gleich „mit-zu-verstricken“?
Na, da habe ich aber nicht schlecht gestaunt, als (über die Handlung lasse ich mich auch hier nicht aus, nein) „der olle Steinkamp“ – der ja irgendwo in Süd-Amerika verschüt´ gegangen sein soll – auf dem Bildschirm erschien! Abgekämpft und schiffbrüchig sah er aus, der arme Mann, und er war am verhungern! Und weit und breit kein Mensch in Sicht! Ganz alleine ist er da am Strand…
… Im fernen Süd-Amerika?
Ich sehe eine Bucht, vergesse die Stricknadeln und schaue genauer hin. Diese Bucht kenne ich! Und die liegt ganz sicher nicht in Süd-Amerika sondern auf „meiner“ schönen Insel!
Und schon ertappe ich mich dabei, wie ich auf den Bildschirm glotze und „den ollen Steinkamp“ lautstark auffordere, einfach den Hang hinauf zu klettern. Oben angekommen muss er nur ein Stückel gerade aus, dann rechter Hand den Berg hinauf, und dort steht ein Haus.
Und ich bin mir ganz sicher, dass Hans-Peter und Maren ihm helfen würden, keine Frage.
Und das Kamera-Team vom eigenen Sender bestimmt auch, die drehen gerade eine Panorama-Aufnahme dort oben, das habe ich doch gesehen!
Endlich würde der arme Mann eine warme Mahlzeit bekommen, duschen können, und ein Anruf daheim wäre sicherlich auch noch drin…
Allerdings haben das die Drehbuchautoren wohl nicht so vorgesehen… Sonst hätten sie sicherlich mal bei den Kollegen von der ARD nachgefragt, ob die nicht jemanden mit einem Proviantkorb vorbei schicken könnten. Immerhin drehen die nur eine Bucht weiter. Und das hätten die sicher gerne getan…
Der Pulli ist jetzt fertig und somit geht auch diese schöne Zeit zu Ende. Ich streiche mir die „Seifenzeit“ bis zum nächsten Pullover, wahrscheinlich wenn es richtig Herbst ist. Und dann schaue ich mal, was den Drehbuchautoren noch so eingefallen ist.
Aber wenn der „olle Steinkamp“ dann immer noch hungern muss, schicke ich einen Hilferuf an die ARD. Weil so geht es dann ja auch nicht!
Gestern musste ich zur Kindergeldkasse, weil es da mit den Zeugnissen meiner Tochter Missverständnisse gegeben hat, und ich jetzt jede Menge Geld zurückzahlen soll. Dort angelangt, stelle ich verwundert fest, dass gar nicht so viel los ist. Vor mir stehen zwei Leutchens am Schalter, mehr nicht.
Ich reihe mich somit in die Warteschlange ein. Während ich da stehe und warte – manche Leute verstehen klare Ansagen nicht und fragen nochmal und nochmal nach, bis selbst ich verstanden habe, worum es bei ihnen geht – fühle ich mich ernsthaft von zwei nicht Deutsch sprechenden Mitbürgern gestört (ein Mann und eine Frau), die da an einem Tisch lungern, und sich lautstark unterhalten. Hinter mir steht nun ein Herr den ich zuvor im Fahrstuhl schon getroffen hatte und der fragt mich, ob er eben vor könne, er hätte nur eine kurz Frage. “Klar”, antworte ich.
Der Mann hat noch nicht einen Schritt auf den inzwischen freien Schalter zugemacht, da kreischt die junge Frau vom „Lungertisch“ auf: “He, war isch vorher da, es gibt Schlange!”
“Nur die Ruhe”, antwortet der Mann, der mich so höflich gefragt hatte, “ich habe ja nur eine kurze Frage.”
Die zwei vom „Lungertisch“ halten sich schnaubend zurück, halten aber auch den vorgegebenen Abstand, der ja gehalten werden soll, nicht ein, aber macht nichts, wahrscheinlich haben sie eh nicht viel verstanden.
Endlich sind sie dran. Sie fuchtelt wie wild mit Zetteln vor der Nase der Beamtin herum und fordert mit einer Jammerstimme die jedem arabischen Klageweib zur Ehre gereicht hätte, dass man ihr das Kindergeld jetzt und hier und sofort auszahlen muss. “Hab isch Rescht auf Kindageld, weiß isch doch.”
Da geht mir schon der Kragen hoch, was ist das denn für eine Ansage! Sich schlecht benehmen, aber immer auf den Rechten pochen! Das kann ich ja ab!
Die Beamtin vertieft sich in das Zettelsammelsurium, gibt die Kindergeldnummer in den Rechner ein und zieht die Brauen in die Höhe. “Ihr Kindergeld ist schon vor einer Woche bei der Bank eingegangen”, sagt sie kopfschüttelnd, “das verstehe ich nicht.”
“Die bei Bank sagen, muss isch hierher kommen, sie zahlen nix aus”, jammert die Tante vom „Lungertisch“ in höchsten Tönen, unterstützt von ihrem Begleiter, dessen Deutsch etwas besser ist, und der, nach einer ganzen Weile die mir wie eine Ewigkeit vorkommt, schließlich brummt, es könne vielleicht … auch … an der Pfändung liegen?!?
Die Beamtin legt zweifelnd den Kopf in den Nacken, ich hole tief Luft, weil der Schwall von jammernden Tönen kaum mehr zu ertragen ist, und wieder erschallt die bereits bekannte Stimme: “Dann nehme isch Kindageld nicht von Bank, sondern von hier.”
Ich für meinen Teil komme nicht umhin, die Beamtin hinter dem Schalter zu bewundern. Mit nonchalantem Schulterzucken erklärt sie wieder und wieder, dass sie für die Pfändung nicht zuständig sei und erwähnt nur am Rande die Verantwortungslosigkeit der Eltern, dass es überhaupt erst so weit kommt, dass die Bank kein Geld mehr raus tut, weil zur Kindergeldzahlung sind sie “eigentlich” verpflichtet.
Zwei weitere Jammeranforderungen müssen nun alle noch ertragen, dann versteht die Frau endlich, dass sie hier an der falschen Adresse ist und trollt sich.
Jetzt bin ich dran. Allen Göttern sei Dank. Hätte ich zehn solcher Leute vor mir gehabt, wäre ich wahrscheinlich geplatzt, so ein Benehmen ist untragbar.
Da ich gut vorbereitet bin und alle Unterlagen dabei habe, geht es bei mir zügig voran. Allerdings ist da alles ein bissel durcheinander gegangen mit Arbeitszeugnissen, die eigentlich Praktikumszeugnisse heißen müssten, so aber nicht benannt wurden, weil bei der Fernsehproduktion vergessen, so dass die gut Frau nach der vierten Bescheinigung wie ein wandelndes Fragezeichen aussieht und mich kurzerhand an einen Kollegen im neunten Stock verweist.
Dort angekommen sage ich abermals mein Sprüchlein auf. Ich erzähle vom praktischen Jahr, das Schüler brauchen, um die Fachhochschulreife zu erlangen, erkläre, dass die Zeugnisse bei der ersten Firma sich alle auf das Praktikum beziehen, das erste Zeugnis zweiten Firma immerhin auch, und dass sie Sekretärin wohl beim letzten Zeugnis nicht drauf geachtet hat, und es einfach falsch benannt hat.
“Ja, äh, dann ist es doch kein Praktikum!”, meint mein Gegenüber.
“Natürlich ist es ein Praktikum”, versichere ich dem Herrn. “Um die Fachhochschulreife zu erlangen müssen die Kids ein Jahr lang in der gleichen Branche praktizieren, wobei sie natürlich auch arbeiten. Verdienen dürfen sie im Jahr bis zu 7500 €, dann bin ich immer noch Kindergeldberechtigt”, lege ich los.
Allerdings in echt nett…
“Sind Sie sicher?”, fragt mich der “Fachmann” hinter dem Schalter.
Ich nicke. “Ganz sicher, ich hatte Anfang des Jahres mehrfach mit all den Kollegen telefoniert, deren Namen sie auf den Formularen sehen können, die haben mir das alle bestätigt.
“Und jetzt soll ich das Praktikumszeugnis nachreichen, weil das Arbeitszeugnis falsch beschriftet war?”, fragt er und tut mir fast leid. Inzwischen ist es drei Uhr nachmittags und ich will nicht wissen, was er schon hinter sich hat.
“Genau”, freue ich mich. Das ist der richtige Weg, jetzt kommt nach all den zig Formularen die man mir immer und immer wieder schickt, vielleicht mal Bewegung in die ganze Geschichte…
“Na”, brummt der Mann und drückt einen Eingangsstempel auf das Formular und das von mir eingereichte, inzwischen verbesserte, Zeugnis. “Sie hören dann von uns.”
Ich grinse ihn an. “Will heißen, Sie schicken mir erneut Formulare zu?, die ich dann wieder ausfülle und so???”
“Ja“, nickt der Beamte, „so ist das hier eben. Gut Ding will Weile haben. Aber danke, dass Sie so geduldig waren!”
“Na, mit Ihnen möchte ich nicht tauschen“, schnaube ich aus tiefstem Herzen. „Ich hatte unten schon das Vergnügen zu warten!”
“Ja, an Tagen wie heute verfluche ich diesen Job!”, seufzt der Mann.
“Also die benehmen sich ja hier, ich fasse es kaum. Gerade war unten eine Kundin, die sprach noch nicht mal richtig Deutsch, hat aber einen auf dicke Hose gemacht. Also die hätte ich ja mal zusammengefaltet!”
“Oh, sagen Sie das bloß nicht so laut, das kommt hier nicht gut an”, warnt mich der nette Herr hinter seinem Schreibtisch und sein Blick verliert sich irgendwo hinter mir.
Arglos wie ich ja aber bin, halte ich mich nicht zurück.
“Hallo? Ich war auch mal Ausländer in Spanien, und bevor ich die Sprache nicht richtig beherrscht habe, hatte ich ein Wörterbuch dabei und war für jeden Beamten der sich Zeit für mich genommen hat DANKBAR!”, schnaube ich weiter.
“Ach ja”, stöhnt der unglückliche Beamte, “ich leite ihre Unterlagen weiter, das wird dann schon.
Ich weiß im Nachhinein nicht mehr, was mir zuerst auffiel, als ich umdrehte…
Ich hatte die Tür nicht geschlossen, weil ich ja zuvor alleine auf dem Flur wähnte…
Jetzt stelle ich fest, dass ich inzwischen doch einige Zuhörer hatte.
Einige von ihnen grinsen, ein anderer schaut mich aus glühenden schwarzen Augen an. Himmel, mir ist ganz kalt geworden.
Aber wieso eigentlich? Ich habe nichts gesagt, was man in nicht sagen sollte, ich habe auch nichts gegen Ausländer. Wirklich nicht. Ich schätze den türkischen Schneider ebenso wie meinen türkischen Schuster, kenne Marokkaner, mit denen ich herzlich verbandelt bin. Auch unser „Herr Schwarz“ vom Paketdienst ist ein Schatz, von dem viele Deutsche noch lernen könnten, was gute Laune im Klartext bedeutet.
Allerdings beherrschen all diese Menschen ein und die selbe Sprache. Und diese sollten man doch bitte können, und und wenn nicht, zumindest den Ton und die Höflichkeit wahren. Diese Schreihhälse haben nämlich nicht mehr Rechte als all die anderen, die sich anstellen und höflich ihr Anliegen vorbringen.
Das wäre schön! Statt seiner grüßen uns jedoch die Medien tagein tagaus mit der Finanzkrise, der Bankenkrise, der drohenden Wirtschaftskrise, nicht zu vergessen der noch ausstehenden Klimakatastrophen, es macht einem ganz wirr im Kopf!
Ja, es gibt Gesetze, an die sich jedoch irgendwie keiner hält. Und es gibt Politiker (in jedem europäischen Land zuhauf), die ob all dieser Ereignisse machtlos erscheinen wollen. Oder sind die einfach nur gekauft?
Zugegeben, ich bin blond. Aber selbst mir hat man das Wahlrecht zugesprochen. Doch wen soll ich noch wählen, wenn ich den Eindruck nicht loswerde, dass „da oben“ keiner mehr rafft, wohin das Schiff steuert, weil selbst der Kapitän keine Ahnung mehr von Navigation hat?
Es verschlägt mir schlichtweg die Sprache, wenn ich jetzt von unserem „allseits beliebten“ und hoch gelobtem Finanzminister höre, dass wir unbedingt all das, was die Herrschaften Politiker in unserem eigenen Land schon seit Jahren nicht gebacken kriegen, nach Brüssel abtreten sollen. Ein europäischer Oberfinanzminister mit eigener Behörde muss her? Das gesamte schöne Europa bekommt die gleichen Steuergesetze?
Na super, Herr Schäuble, wie soll das denn funktionieren? Und haben Sie dabei mal an die FDP gedacht? Lagern wir die („Deutschland braucht eine Reformierung des Steuersystems! Eine Vereinfachung!“) alle gleich mit nach Brüssel aus?
Und wer soll sie bezahlen, all die Dolmetscher, die all die politischen Pappnasen all dieser unterschiedlichen Nationalitäten benötigen werden, weil sie keiner Sprache außer ihrer eigenen mächtig sind?
Ich erinnere an dieser Stelle nur an unseren Außenminister, der bei Amtsantritt kein Wort Englisch sprach! Jede Saftschubse bei jedweder Airline kann, so sie dermaßen erbärmlich radebrecht, die Aufnahmeprüfung vergessen! Von unserer Kanzlerin „My English ist not so good also, Mister President“, wollen wir gar nicht erst reden! Wie peinlich kann und darf Politik sein?
Also: Wie stellen Sie sich das jetzt in Brüssel vor? Brauchen wir tatsächlich noch mehr Gremien, noch mehr vom Staat (sprich vom Steuerzahler) finanzierte Nichtwissende, die dann in Brüssel europaweit etwas beschließen, das zu beschließen allein in Deutschland seit Jahren nicht möglich war?
Das glaubt doch Ihnen nicht einmal die blondeste Blondine!
Wir haben Fachkräftemangel in Deutschland? Stimmt. An alleroberster Stelle! Wir haben Bildungsnotstand? Stimmt ebenfalls. Wenn ich mir so manche Rede eines deutschen Politikers anhöre, kann ich dem nur beipflichten. Die Zeiten, in denen man hier noch richtiges Deutsch sprach, scheinen lange vorbei zu sein. Und gerade deswegen lagern wir jetzt „gewisse“ Themen nach Brüssel aus? Nullfichteln zu verschenken, oder was? Unwissende und Gekaufte aller Welt vereinigt Euch? Mitten im Herzen Belgiens?
Also wenn ich Belgier wäre, würde ich in den Streik treten…
PS: Vielleicht könnte man mal über Hartz IV für Politiker nachdenken. Wäre durchaus mal interessant zu erfahren, wie viel güldene Euroleins man auf politischer Ebene im Bund und in den Ländern einsparen könnte, wenn man endlich all die traurigen Gestalten feuert, die eh nur labern. Und zwar OHNE Diätenfortzahlung, OHNE weitere Vergünstigungen, und OHNE einen Rentenanspruch, von dem der der kleine Mann nicht zu träumen wagt! So, wie das bei ganz normalen Menschen auch ist.
Ich zappe mich durch die Sender und lande bei Tine Wittler, die derzeit nicht nur aus Häusern Traumwohnstätten erschafft, sondern neuerdings auch aus regelrechten Müllhalden Wohnlandschaften zaubert. Wohl bemerkt – nachdem dort jemand (meist ganz viele, fleißige Arbeitskräfte) den Müll entsorgt haben, versteht sich.
Während ich so schaue und staune, fällt mir wieder ein, dass ich dringend die Küche renovieren muss. Allerdings lerne ich im Verlauf der Sendung, dass ich definitiv etwas falsch mache, denn: Die Priorität beim Einkaufen liegt nicht schwerpunktmäßig beim Baumarkt wenn ich renovieren will, nein, ohne das entsprechende Outfit geht gar nichts. Sonst werde ich niemals so gut sein wie die bekannte Moderatorin.
In Gedanken sehe ich mich schon durch die Stadt laufen. Ein Paar neue Schuhe sollten es sein, am besten Highheels, mit denen ich dann wie der Storch im Salat über die mit Farbe bekleckste Plastikfolie starckse, natürlich ohne dieselbe mit Löchern zu zerstören. Desweiteren geht nichts ohne eine neue Bluse mit Rüschen im Dekolleté. Selbstverständlich sind lange Ärmel dran, die mindestens bis auf die Hälfte meiner Handflächen reichen. Das schmeichelt meinen kurzen Armen, auch wenn es die Arbeit nicht unbedingt erleichtert. So es denn Herbst sein sollte, bis ich mit dem Renovieren beginne, muss ein neuer Trenchcoat her, das habe ich bei Tine Wittler gelernt. Die Optik muss stimmen wenn man sich auf die Baustelle begibt, sonst wird das nie was.
Ach, fast hätte ich es vergessen. Ebenfalls bevor ich mit der Küche überhaupt näher befasse, benötige ich eine frische Maniküre. Dann – und erst dann – kann ich wirklich loslegen. Weil ich erst dann in die beglückende Situation gerate, den Pinsel mit meinem Daumen, dem Zeige- und Mittelfinger meiner rechten gepflegten Hand (ich bin Rechtshänder) liebevoll in die Farbe gleiten zu lassen, um anschließend die Borsten dekorativ und voller innerer strahlender Heiterkeit über ein Hölzchen, eine Leiste oder gar den Küchenschrank gleiten zu lassen. Dabei gebe ich mich konzentriert und lächle befriedigt. – selbstverständlich erst nachdem Pinsel samt Farbe ihr Ziel erreicht haben, man muss eine solche Leistung schließlich entsprechend würdigen…
Haaach, es tut so gut vor sich hin zu träumen, ehrlich!
Leider sind die Wände in der Küche nur vom Träumen noch immer nicht gestrichen, von der Decke ganz zu schweigen. Nun kommt wohl langsam doch der Zeitpunkt, an dem ich die Sache realistisch angehen sollte. Ohne Fernsehteam im Hintergrund, ohne hilfreiche Mainzelmännchen, die die Vorarbeit leisten, und ohne Maskenbildnerin, die sich um mein Äußeres kümmert. Ich krame ergo die alten Turnschuhe aus dem Keller, werfe mich in die Jogginghose und das ausgewaschene T-Shirt (ohne Rüschen), pfeife auf Maniküre und Make-up, klebe den Küchenboden selbst ab, rolle und rolle und rolle Farbe auf die Küchendecke – nicht ohne mit ein klein wenig Neid an „die Lieben“ von Tine Wittler zu denken, die während ich dumme Suse die ganze Arbeit an der Backe habe, auf Kosten des Senders ihre Baustelle verlassen dürfen und zur Wellness-Oase verfrachtet werden.
Panne aber auch!
Bahn für Bahn rolle ich mich endlich über die Raufaser an der Wand dem Ziel einer „neuen“ Küche entgegen, als mir eine Idee kommt: Was, wenn ich einfach ein altes, völlig vergammeltes Haus kaufe? Auch das fällt immerhin in Tine Wittlers Zuständigkeitsbereich, die löst jedes Problem. Über Badezimmerkacheln, Elektroinstallationen und andere Nebensächlichkeiten könnte ich somit großzügig hinwegsehen, über quietschende Fenster ebenfalls; von Türen, die vor Ölfarbenschichten nur so strotzen, ganz zu schweigen. Das Fernsehen macht das schon. Dann klaue ich meiner jetzigen Vermieterin sämtlichen vorhandenen Plastikmüll aus der Tonne, sammle beim Sperrmüll alte Matratzen (im besten Fall mit einer absolut ekligen Duftmarke), verteile all diese unappetitlichen Habseligkeiten in meinem neuen/alten Zuhause und rufe beim Fernsehen an.
Und schon kommt Tine?
Kann das Leben wirklich so schön sein?
Inzwischen ist die Küche in meiner realen Welt fertig geworden. Nur noch schnell Möbel einräumen, Hängeschränke an die Wand bringen, Regale aufhängen, dann ist er da, dieser magische Moment, an dem ich zu Tine Wittler in Persona Grata mutiere! Nur noch eben Fingernägel maniküren, Make-up im Gesicht verteilen, und „schwupps“ drapiere auch ich – mit einem seligen Lächeln auf meinen rot geschminkten Lippen, einschließlich einer huldvoll ehrfürchtig dahin schwebenden Handbewegung – meine neue Deko in der Küche.
…Nur will mir die Idee mit dem preiswerten alten Häuschen nicht aus dem Kopf.
Das wäre sicherlich lukrativer, als sich bei den Öffentlich Rechtlichen mit „ter Pörse“ rumzuschlagen; von der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns will ich an dieser Stelle nicht ansatzweise reden.
Und es wäre weniger arbeitsintensiv, als die olle Küche selbst zu renovieren.
Ich frage meinen Mann, was er essen will. Diese Frage hätte ich mir genau so gut schenken können, schließlich kommen IMMER Frikadellen dabei heraus. Dass ich jedes Mal schiele, wenn ich das höre, liegt nicht etwa daran, dass mir Frikadellen nicht schmecken, sie lassen mir allerdings auch nicht gerade das das Wasser im Munde zusammen laufen.
Auf mein Schielen hin verkündete mein Mann ( Frank) (feierlich!!!): ”Die mache ich, Schatz!”
Drehort Küche:
Frank langt nach dem Doktor Oetker Kochbuch, was bei mir einen mittelschweren Lachanfall auslöst. Nach all den Jahren, in denen Frank meistens Frikadellen brutzelt, geht nichts, aber auch gar nichts, ohne diesen Schmöker.
Nicht lange danach stehen die Hausfrau und der Fotograf in der Küche. Seite an Seite. An der langen Ablage. Ich schipple Zwiebeln – so, wie ich das bei Mama gelernt habe – für den Salat klein. Auf meine Frage, ob er auch welche will – von mir geschnippelt – lehnt der Fotograf (viiieele Koch-Shows) ab. Das kann er schließlich selbst…
Während also Frau Zwiebeln schneidet, langt der Koch-Show-Fotograf nach dem größten Brett, das er finden kann, und beginnt mit dem grööößten Küchenmesser das die Schublade birgt, seine höchst eigene Zwiebel klein zu hacken. Es erscheint mir fast die bekannte Nummer aus dem Fernsehen zu sein, wo man vor dem Bildschirm sitzt und denkt: Wow, und definitiv kein Stück Finger in der Zwiebel, die haben es echt drauf!
In meiner Küche nun hackt nun der Meister das Messer in regelmäßigem klack-klack-klack aufs Brett. Da eben dieses auf dem Herd (Ceranfeld) steht, spritzen die unförmigen Zwiebelteile die frisch polierte Herdfläche voll…
Nachdem bei mir schon Zwiebel Nummer zwei – geschnitten wie bei Mama – kleines Brett, handliches Messerchen, wunderschöne gleichmäßige Zwiebelstückchen – in der Vorratsdose gelandet ist, drischt mein Kochbuch-lesender-Koch-Show-Fotograf noch immer auf die Zwiebel ein und wird langsam aber sicher kleinlaut. Die zweite Hälfte der riesigen Zwiebel – war für das bissel Fleisch eh zu viel – lässt er im Kompost verschwinden, hängt er doch eh der Zeit längst hinterher.
Als er wieder das Kochbuch zu Hilfe nimmt.
Da steht jetzt SENF!!!
Oh, denke ich und grinse schon breit, als Frank – ist es nicht herrlich, wenn man jemanden so lange kennt? – natürlich zu seinem “Spezial”-Senf greift. Selbst der Vortrag darüber, dass ich immer den schlichten Otto-Normal-Langweiler-Senf benutze, nur weil ich mir einbilde, seiner würde nicht schmecken, bleibt an dieser Stelle nicht aus.
Somit landet der Spezial-Senf – könnte das vielleicht ein bissel viel sein? Nee? Macht Johann Lafer das auch so? – mit einem lauten Klatsch ziemlich reichlich auf den Zwiebelmonstern, die bereits das Hackfleisch zieren.
Ein erneuter Blick ins Kochbuch macht deutlich was jetzt kommt: SALZ!
“Haaalt!”, rufe ich irgendwann entgeistert. „Da steht auch “würzen und abschmecken!” drin, was Frank jedoch beiseite wischt und begeistert die Pfeffermühle zückt.
Derweil rechne ich den extra-Geschmack Senf plus das Salz zusammen und lache herzlich. Frank hingegen ist beleidigt, weil ich so viel Spaß, er hingegen die Arbeit hat.
Davon ist er wirklich überzeugt.
Dass ich zwischenzeitlich den Herd gewienert und von entflohenen Zwiebelteilchen errettet habe, ist ihm entgangen. Genauso wie ihm entgangen ist, wer die Kartoffeln kocht und die Ablage wieder frei schaufelt, es sammelt sich doch jede Menge Zeugs an, beim Kochen.
Meine Salatsoße ist fertig. Ein flüchtiger Blick ins Kochbuch lässt mich die Frage raus glucksen, ob er die Hackfleischbällchen jetzt tatsächlich mit in Wasser befeuchteten Fingern formen möchte, so wie es immerhin bei Doktor Oetker steht, was mir einen bösen Blick einbringt. Weil er die Hände ja aber schon in besagtem Hackfleischgemisch versenkt hat und fleißig am Kneten ist, bin ich nett – ich habe ja auch echt Spaß – deponiere die Pfanne auf dem Kochfeld, mische Fett hinzu und Frank formt liebevoll Frikadunseln…
…die er dann liebevoll in die Pfanne legt…
… und sie noch liebevoller wendet…
Dass man denen beim Brutzeln nicht zugucken muss, verkneife ich mir an dieser Stelle, auch, dass sie nicht schneller gar werden, wenn man sie ständig wendet…
Endlich ist es so weit. Wir setzen uns. Drehort Esstisch:
Die Frikadunseln schmecken.
Nicht wie immer, aber gut.
Frank runzelt die Stirn, ist sehr betroffen und fragt sich just bei der zweiten platten Fleischkugel, ob es nicht vielleicht doch zu viele Zwiebeln waren. Oder war es der edelsüße Paprika?
Vorsichtig greife ich ein Thema auf, das durchaus nach hinten losgehen könnte: “Vielleicht ein bissel viel Senf?”, frage ich vorsichtig.
“Meinste?”, fragt mich Frank nachdenklich, und ich sehe die Hirnzellen förmlich Amok laufen. “Den Eigengeschmack vom Spezial-Senf meinst du?”
Ich nicke bedeutungsvoll und muss schon wieder lachen.
Allerdings lacht Frank inzwischen auch.
Na, da können sich Lafer & Co. aber auf was gefasst machen, wenn der Fotograf das nächste Mal aufschlägt…